Stacking Software im Vergleich – Fitswoks vs. Sequator

Veröffentlicht von Reiner Ugele am 22.03.2020

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Der Markt für Stacking Software, im Bereich der Astrofotografie, ist doch recht dünn gesät. Gerade für all jede die nach freier Software suchen, werden nicht unbedingt auf viele Alternativen treffen. DeepSky Stacker, Fitswork und Sequator sind momentan, die Programme, die ich für meine Stacking Aufnahmen verwende. Doch leider hat jedes Programm seine Stärken wie auch Schwächen.

Für die Mondfotografie verwendete ich immer das Programm Fitswork, welches ich schon in einem Blogbeitrag vorgestellt habe. Diese Software ist leider schon eine etwas älter Software und die seit 2016 nicht mehr weiterentwickelt wurde. Dies heißt jetzt nicht automatisch, dass diese Programm schlecht ist. Grafisch ist es überholt und was die Bedienung angeht, etwas kompliziert gestaltet.

Die Suche nach einer anderen Software

Ab und zu lohnt es sich doch, wenn ihr nach anderer Software sucht. Bei meiner Recherche bin ich auf die Software Sequator gestoßen. Doch der eigentliche Grund der Suche war jetzt nicht wegen der Mondfotografie, sondern es ging um die Milchstraße. Denn genau dafür ist Sequator eher gedacht. Das Programm ist deutlich besser zu bedienen und das letzte Update erfolgte im Juni 2019 (zu dem Zeitpunkt als ich diesen Beitrag geschrieben habe).

Als ich mich mit Squator intensiver beschäftigt hatte, kam mir der Gedanke, ob dieses Programm nicht auch meine Mondaufnahmen stacken kann. Denn wenn dies mit dem Sternenhimmel gehen geht, warum dann nicht mit dem Mond? Die ersten Versuche waren recht vielversprechend. So wurden die einzelnen Bilder ohne Probleme übereinander gelegt und miteinander verrechnet, ohne vorher den Bereich zu markieren. Bei Fitswork ist es ja so, dass der Bereich der gestackt werden soll, markiert werden muss. Dies hat schon öfters zu einem Misserfolgen geführt.

Sequator die bessere Stacking Software?

Ist nun Sequator die bessere Stacking Software, wenn ihr den Mond fotografieren wollt? Nun eine pauschale Aussage kann so nicht getroffen werden. Beide Programme liefern gute Ergebnisse. Sequator sticht vor allem durch seine schnellere Verarbeitung und moderne Oberfläche hervor. Der Schwerpunkt dieser Software liegt eindeutig im Bereich der Verrechnung des Sternenhimmels bzw. Der Milchstraße und nicht des Mondes.

Um die Frage zu lösen, welche Software nun das Bessere Ergebnis liefert, hilft im Endeffekt nur ein Test. Für diesen verwendete ich meine Vollmond Fotografien vom 09.03.2020. Die Aufnahmen Daten sind folgende:

  • Canon 70D
  • Sigma 150-600mm C @600mm
  • Blende f/11
  • 1/500s Belichtungszeit
  • ISO 200

Alle Bilder wurden im RAW Format abgespeichert und mit Camera RAW 12.2 bearbeitet. Tiefen und Lichter, Struktur, Klarheit und Dunst entfernen wurden etwas angepasst. Zudem wurden den Aufnahmen eine Grundschärfe gegeben. Anschließend sind alle Bilder mit einer DPI Zahl von 300 als TIFF Format gespeichert worden. Das TIFF Format eignet sich bei einem Stacking (nach meiner Erfahrung) am Besten. Denn es es speichert die Aufnahmen, in voller Größe und verlustfrei.

Wie ihr die ganzen Aufnahmen für das Stacking vorbereiten könnt, hab ich schon, wie Anfangs schon erwähnt, in meinem Blogbeitrag ausführlich beschrieben. Dazu empfehle ich euch noch meine ganze Reihe zum Thema Mondfotografie, da erkläre ich euch, wie ihr am Besten Mondaufnahmen erstellen könnt.

Der Vergleich der beiden Programme

Die Antwort welches der Programme nun die bessere Stacking Software ist bin ich euch noch schuldig. Deshalb geht es nun zu meinem Test. Für den ersten Durchlauf verwendete ich eine Reihe von 28 Aufnahmen. Bei Fitswork ging ich so vor, wie ich es schon in meinem Blogbeitrag beschrieben habe. Die Aufnahmen wurden nach einer etwas längeren Berechnungszeit ohne Unterbrechung zusammen gerechnet. Das nachfolgende Bild zeigt das Endergebnis, welches unbearbeitet bzw. nicht nachgearbeitet wurde.

28 Stack Aufnahme vom Vollmond die mit Fitswork gestackt bzw. verrechnet  wurde.
28 Stack Aufnahme vom Vollmond mit Fitswork

Das Bildformat ist in diesem Fall JPG, denn ein Tiff wär für die Darstellung einfach zu groß. Die Details sind trotzdem gut dargestellt ohne einen großen Qualitätsverlust zu erkennen.

Das Ganze erfolgt nun auch in Sequator. Wie genau dieses Programm funktioniert, werde ich noch in einem separaten Blogbeitrag genauer erklären. Denn es gibt doch ein paar Dinge, die ihr bei dem Programm beachten müsst, wenn ihr eure Mondaufnahmen stacken möchtet. Sequator ist einfacher zu bedienen und deutlich schneller als Fitswork. Im direkten Vergleich zwischen den beiden Ergebnissen, lassen sich kaum Unterschiede erkennen. Einzig das Ergebnis von Sequator ist etwas weicher gezeichnet als das von Fitswork.

28 Stack Aufnahme vom Vollmond die mit Sequator gestackt bzw. verrechnet  wurde.
28 Stack Aufnahme vom Vollmond mit Sequator

Im Nachfolgenden Bild könnt ihr noch Detail-Ausschnitte zwischen den beiden Ergebnissen sehen. Dabei ist die linke Mondaufnahme die, die mit Fitswork erstellt wurde, die rechte wurde mit Sequator erstellt. An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass die Bilder noch nicht fertig bearbeitet wurden. Das Ergebnis sieht nach der Bearbeitung besser aus.

Vergleich des Mond Stacks zwischen Fitswork und Sequator
Vergleich des Mond Stacks zwischen Fitswork und Sequator

Ein weiterer Test mit mehr Aufnahmen

In der Regel „stacke“ ich meine Mondfotografien immer mit mehr als 50 Aufnahmen und nicht mehr als 100 Aufnahmen. Eine Anzahl zwischen 60 und 70 Aufnahmen liefert in der Regel ein gutes Ergebnis ab. Natürlich ist das Resultat immer abhängig von der Qualität der einzelnen Aufnahmen, die verrechnet werden.

Um zu testen, wie sich die Programme auch bei mehreren Bildern verhält, verwendete ich eine andere Aufnahmereihe aus 66 Bildern. Die Aufnahme Daten sind identisch zu den vorherigen.

Vergleich zwischen den Stacking -Ergebnissen  zwischen Fitswork und Sequator. In der Mitte befindet sich zum Vergleich ein Bild aus der Aufnahmereihe.
Vergleich des Stacking Aufnahmen Sequator und Fitswork mit 66 Aufnahmen

Die jeweiligen Stack Ergebnisse sind nicht nach bearbeitet worden. Bei dem Fitswork Stack wurde nur die Helligkeitskurve angepasst, damit die Aufnahme richtig dargestellt wird. Wie ihr auf der oberen Bild sicherlich erkennen könnt, sind bei Fitswork nur 63 Aufnahmen verwendet worden. Der Grund dafür war die sogenannte „strenge Kontrolle“ des Programms, dass irgendwas nicht stimmt. Daher habe ich mit dafür entschieden, diese Aufnahmen einfach auszulassen, damit sie nicht in die Verrechnung verwendet werden. Denn dies kann letztendlich zu einem unscharfen Ergebnis führen.

Sequator hat alle 66 Bilder ohne weiters akzeptiert. Bei der größeren Anzahl von Bildern, wird es etwas deutlicher, dass Fitswork das etwas schärfere Ergebnis ausgibt. Allgemein liefert eine Bilderserie mit mehr als 50 Aufnahmen immer ein besseres Stack Ergebnis, als nur mit 30.

Welches Programm sollte nun für das Stacken von Mond Fotografien verwendet werden?

Die Frage lässt sich an sich nicht wirklich beantworten. Beide Programme liefern gute Ergebnisse ab und besitzen ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Daher findet ihr nachfolgend eine Auflistung in wie weit sich Fitswork und Sequator voneinander unterscheiden.

Sequator

  • neuere Software (letztes Update Juni 2019)
  • deutlich schneller bei der Verarbeitung
  • einfach zu bedienen
  • moderne Oberfläche
  • errechnet ein Bild in 300 DPI (Ausgabe)
  • Möglichkeit den Vordergrund zu „freezen“
  • Timelapse Unterstützung
  • Verwendung von RAW Dateien

Fitswork

  • veraltete Software (letztes Update September 2016)
  • langsam
  • veraltete Optik / Oberfläche
  • schwierige Bedienung
  • sehr viele Einstellungen
  • Ausgabe nur in 72 DPI
  • oft mehrere Versuche nötig für ein optimales Ergebnis
  • liefert gute Ergebnisse
  • nachträgliches korrigieren der Helligkeit und Farben möglich
  • Verwendung von RAW Dateien

Es gibt also nicht wirklich einen „Sieger“ unter den Programmen. Fitswork mag eine ältere Software sein, doch sie funktioniert noch und es kommen sehr gute Aufnahmen heraus. Nur die Frage wie lange dieses Programm noch unter dem aktuellen Betriebssystem funktionieren wird, bleibt offen.

Nachteilig ist auch dies, dass das berechnete Stackbild nur in 72 DPI gespeichert wird. Bei einer nachträglichen Bearbeitung des Bildes, solltet ihr das Bild zu 300 DPI hoch skalieren. Mit der aktuellen Version von Adobe Photoshop CC klappt dies sehr gut ohne große Qualitätseinbußen zu erleiden. Sequator gibt sofort ein 300 DPI Bild aus und ihr erspart euch den Schritt der Skalierung.

Sequator ist wie schon genannt schneller und einfacher auch einfacher zu bedienen. Fitswork ist viel komplexer, liefert aber das etwas bessere Ergebnis. Zudem lässt sich die Helligkeit noch vor dem speichern der Aufnahme anpassen. Denn in der Regel wird der Stack immer viel zu hell dargestellt. Die Helligkeit lässt sich aber soweit anpassen, dass ihr eine normale, nicht ausgebrannt wirkende Aufnahmen erhaltet. Bei Sequator müsst ihr vollkommen auf die Software verlassen, wie sie es darstellen wird.

Meine Empfehlung für die Mondfotografie

Seit ich Sequator entdeckt habe, benutzte ich eigentlich immer beide Programme. Einfach um zu vergleichen welches Programm nun das bessere ist. Sequator überrascht mich immer wieder von neuem, was das alles kann. Einzig problematisch wird es, wenn ihr zu viele Aufnahmen verwendet und der Mond dann an den hellen Stellen anfängt auszubrennen. Da ist wiederum Fitswork besser, denn wie schon genannt, kann die Helligkeit noch nachträglich korrigiert werden kann.

Sequator punktet durch seine Geschwindigkeit und durch sein Allround Fähigkeit. Denn nicht nur die Aufnahmen der Milchstraße lässt sich das Programm verwenden (Schwerpunkt), es ist auch möglich Andromeda Aufnahmen zu stacken und Bilder für Timelapse Aufnahmen generieren zu lassen.

Probiert es einfach einmal selber aus und schaut, mit welchem Programm ihr das bessere Ergebnis erhaltet. Persönlich werde ich doch öfters Sequator nutzen, da dieses Programm einfach schneller geht. Nur wenn ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin, würde ich dann zu Fitswork wechseln.

Nachtrag zu Sequator – 30.3.2010

Bis jetzt hatte ich Sequator nur für Vollmond Aufnahmen verwendet. Ich testet jetzt auch Aufnahmen von einem zunehmenden Mond. Das Ergebnis ist eindeutig, dass die Software mit diesen Aufnahmen nicht zurecht kommt. Mit Fitsworks klappte dies Problemlos.

Daher kann ich euch nur bei Vollmond Aufnahmen Sequator empfehlen. Fitswork ist dabei nicht so wählerisch, nur ein wenige aufwendiger in der Nachbearbeitung. Das Nachfolgende Bild ist vom 27.03.2020 mit Fitswork erstellt worden, als eine 50 Stack Aufnahme.

50 Stack Aufnahme mit Fitswork verrechnet - zunehmender Mond
50 Stack Aufnahme mit Fitswork verrechnet – zunehmender Mond