Mondfotografie – Teil 5 Das Stacking

Veröffentlicht von Reiner Ugele am 12.04.2019

Titelbild für den Beitrag Stacking Mond

Im fünften Teil des Mondfotografie Tutorials, möchte ich euch nun das Stacking von Aufnahmen vorstellen. Wie ich schon in den vorherigen Teilen geschrieben habe, handelt es sich bei dem Stacking um einen Prozess zur Verbesserung der Bildqualität. Diese Methode könnt ihr nicht nur in der Mond beziehungsweise in der Astrofotografie einsetzen, sondern auch in der Landschaftsfotografie.

Was ist das Stacking?

Bei einem Stacking erstellt ihr von einem Objekt, hintereinander, mehrere identische Aufnahmen und verrechnet diese dann zu einem Gesamtbild. Der Vorteil von dieser Methode ist, dass das Rauschen in einer Aufnahme reduziert wird. Dadurch können die Details besser dargestellt werden, weil die Kontraste zwischen den einzelnen Pixeln sich deutlicher dargestellt werden. Im Detail bedeutet dies, dass die Abgrenzung zwischen den einzelnen Bildpixlen schärfer wird und diese nicht ineinander verschwimmen. Vom Grund her das gleiche Prinzip, was beim Schärfen einer Aufnahme passiert.

Programme für das Stacking

Es gibt verschiedene Methoden und Programme, die ihr für diese Form des Stacking verwenden könnt. Selbst mit Photoshop ist es möglich, mehrer Aufnahmen übereinander legen zu lassen und miteinander zu verrechnen. Diese Art der Verrechnung eignet sich aber nur für „statische“ Aufnahmen, wie es zum Beispiel in der Landschaftsfotografie der Fall ist.

Für dieses Problem gibt es für die Astro Fotografie spezielle Programme. Eines dieser Programme, welches ich für die Mondfotografie benutzte, möchte ich euch vorstellen. Aber um diese zu verstehen, benötigt im noch gewisse Grundlagen, warum es nötig ist, solche spezielle Stacking Software zu verwenden.

Das Problem beim Stacking

In der Astrofotografie ist man immer mit einem Problem konfrontiert, nämlich mit der Rotationsbewegung der Erde. Fokussiert ihr auf einen Stern, Planeten oder einem Mond, werdet ihr feststellen, dass diese ständig in Bewegung sind.

Wenn ihr fotografiert habt ihr einen für euch festen Standpunkt. Als Beobachter bewegt sich, von euer Sicht aus, der Mond. Das bedeutet, wenn ihr diesen fotografiert, wird der Mond sich nach ein paar Sekunden an einer anderen Stelle im Sucherfeld / Display eurer Kamera befinden. Um diese Bewegung heraus rechnen zu lassen, benötigt ihr eine spezielle Stacking Software.

Das Stacking Programm Fitswork

Beim Stacking, also dem übereinander legen von gleichen Aufnahmen, ist es nötigt, dass ihr passgenaue (identische) Aufnahmen erstellt. Dies bedeutet, dass die gesamten Aufnahmen 1:1 gleich (auch von der Position her) sein müssen! Normale Programme wie Photoshop sind dafür ungeeignet dafür, da dieses die Bewegung nicht mit heraus berechnen. Ein kostenloses Programm, dass ich selbst für meine Mondfotografien verwende und sehr gut dafür geeignet ist, heißt Fitswork.

Das Programm scheint aber nur noch sehr sporadisch weiterentwickelt zu werden. Trotzdem funktioniert dies (bis jetzt) unter Windows 10 (Stand Frühjahr 2019) ohne Probleme. Der Vorteil von diesem Programm ist dieser, dass die Bewegung des Mondes mit einberechnet wird. Die Software nimmt das erste Bild als Referenz Aufnahme und addiert dann die anderen Aufnahmen auf die diese. Dabei vergleicht das Programm, ob die einzelnen Aufnahmen auf die Referenz passt. Wenn alles geklappt hat, erhaltet ihr als Ergebnis die finale „gestackte“ Aufnahme.

Die Stacking Aufnahmen

Das wichtigste, was ihr generell bei der Mondfotografie machen solltet ist dieses, dass der Autofokus immer ausgeschaltet habt. Dies garantiert, dass jede einzelne Aufnahme die selbe Schärfe besitzt. Ihr solltet trotzdem immer wieder, über das Display eurer Kamera kontrollieren, ob die Schärfe immer noch gegeben ist.

Den Iso Wert, die Blende, die Belichtungszeit und der Weißabgleich gehören ebenso manuell eingestellt, bevor ihr die Aufnahmen erstellt. Falls euer Objektiv über einen Bildstabilisator verfügt, so solltet dieser ausgeschaltet werden. Denn dieser kann zu einer Verschlechterung (leichtes verschwimmen) der Aufnahme führen.

Dies alles ist nichts anderes als dies, was ich schon in den anderen Teilen geschrieben habe. Das einzige was ihr machen müsst, sind mehrere Aufnahmen und die Neuausrichtung des Stativs bzw. Objektivs auf den Mond. Natürlich solltet ihr nach der Ausrichtung den Fokus noch einmal kontrollieren.

Auch hier kann ich euch nur empfehlen, dass ihr für diese Aufnahmen einen Kabelauslöser verwendet. Wer von euch einen programmierbaren Auslöser, einen mit Timerfunktion, besitzt sollte diesen auch nutzen. Meine Empfehlung ist diese, dass ihr zwischen den Aufnahmen ungefähr zwei Sekunden (oder auch mehr) Pause lasst. Aber dies sollte dann nur für diejenigen Beachtung finden, die mit einer Spiegelreflex fotografieren. Der Grund dafür ist dieser, dass durch das hochklappen des Spiegels es auch zu leichten Erschütterungen kommen kann. Diese können die Qualität der Aufnahme zusätzlich mindern.

Mehr bringt mehr?

Sicherlich fragt ihr euch schon, wie viele Aufnahmen nun eigentlich sinnvoll sind. Bei der Mondfotografie habe ich durch mehrere Versuche herausgefunden, dass mehr als Hundert Aufnahmen keine deutlichen Verbesserungen bringen. Dabei meine ich speziell das Verhältnis zwischen Bildqualität, Speicherplatz und investierte Zeit.

Anders verhält dies sich, wenn ihr die Andromeda oder den Orion Nebel fotografieren möchtet. Dort bringen mehr Bilder deutlich bessere Ergebnisse. Bei Mondaufnahmen reichen aber zwischen 30 und 50 Aufnahmen vollkommen aus. Wichtig ist, dass die Aufnahmen hochwertig in ihrer Qualität sind.

Ihr könnt aber auch immer etwas mehr Aufnahmen erstellen. Denn so habt ihr einen kleinen Puffer zur Verfügung und könnt dann die besten Bilder herausfiltern. Zur Verrechnung reichen aber, wie schon geschrieben, in der Regel bis zu 50 Aufnahmen vollkommen aus.

Bedenkt aber auch dabei folgendes: Jede Aufnahme kostet Speicherplatz! Wenn ihr öfters den Mond fotografieren möchtet und dies im Stacking Verfahren, so solltet ihr immer genügen Platz auf eure Festplatte besitzen. Denn auch die Nachbearbeitung, zu der ich noch komme, braucht zusätzlichen Speicherplatz. Eine große und vor allem schnelle (SSD) Festplatte sollte dafür verwendet werden.

Nächstes Ziel das fertige Stack

Die benötigten Kameraeinstellungen werde ich an dieser Stelle nicht noch einmal beschreiben. Denn diese sind die selben, die ich schon in den anderen Kapiteln beschrieben habe.

Wenn ihr alle benötigten Aufnahmen erstellt habt, so solltet ihr diese auf euren Rechner herunter laden. Danach geht es in die Nachbearbeitung der Bilder. Meine Aufnahmen werden immer im RAW Format verwendet. Wer JPG Bilder erstellt, der kann an dieser Stelle schon aufhören. Denn der Verlust an Details, ist durch den Komprimierungsfaktor von dem JPG Format viel zu hoch. Da macht Stacking einfach keinen Sinn.

Die Vorbereitung erstelle ich immer mittels Camera RAW. Wer Lightroom nutzt, kann dies auch dort tun. Die Unterschiede zwischen den beiden Programmen sind sehr minimal, wenn überhaupt einer vorhanden ist. Auch die Funktionen sind die ähnlichen nur etwas anders angeordnet.

Wie die Bilder vorbereitet werden und zu einem Fertig Stack mittels Fitswork zusammen gerechnet, zeige ich euch im nächsten Kapitel. Dort werde ich auch auf die Probleme eingehen, die bei so einem Stack entstehen können und wie ihr die Aufnahme nachbearbeiten könnt.