Mondfotografie – Teil 4 Mondfinsternis

Veröffentlicht von Reiner Ugele am 13.01.2019

Mondfinsternis - Blutmond im Zenit.

Es gibt noch weitere „Mond Ereignisse“ als nur der Vollmond oder den aufgehenden Mond. In diesem vierten Teil dieses Tutorials, möchte ich euch noch ein weiteres vorstellen nämlich die Mondfinsternis. Diese Ereignis ist im Vergleich zu einem Vollmond doch eher selten und ihr solltet jede Gelegenheit ergreifen dies zu fotografieren.

Die Mondfinsternis, die auch unter dem martialisch klingenden Namen „Blutmond“ bekannt ist, gehört bei der Mondfotografie zu der größten Herausforderung. Wer wirklich beeindruckende Bilder machen will, der benötigt nicht nur das nötige Equipment. Es benötigt auch das Wissen der Stacking Methode.

Diese Methode ist nichts anderes als das mehrere Einzelaufnahmen miteinander verrechnet werden. Dadurch erhaltet ihr nicht nur ein rauschärmeres Endresultat, sondern könnt auch die Strukturen besser darstellen. 

Wie ihr so ein „Stack“ erstellt, erkläre ich später in dieser Tutorial Strecke. Ich verwende diese Methode nur noch für meine Mondfotografien. Bis auf den aufgehenden Mond, da klappt diese Methode nicht wirklich so gut. Aber darauf werde ich dann später noch genauer eingehen. 

Was ist die Mondfinsternis? 

Eine Mondfinsternis entsteht dann, wenn der Erdschatten auf den Mond fällt. Der Schatten der Erde verhindert, dass der Mond von der Sonne Angestrahlt wird und so das Licht auf die Erde wieder reflektiert. Die Reflexion des Sonnenlicht von der Mondoberfläche seht ihr jedes mal, am Nachthimmel, außer es ist Neumond.

Der Neumond hat aber nichts mit einer Mondfinsternis zu tun. Dies ist wieder eine andere Konstellation zwischen Erde, Mond und Sonne. Wer mehr darüber erfahren möchte, der kann zum Beispiel dies bei Wikipedia nachlesen. Aber bevor das Ganze hier zu sehr ins Detail geht, möchte ich nun auf das eigentliche Thema der Mondfinsternis eingehen.

Diese Konstellation kommt häufiger im Leben eines Menschen vor als die Sonnenfinsternis. 2015 und 2018 waren die letzten totalen Mondfinsternisse, die hier in Deutschland beobachten werden konnten. Im am 20 auf den 21 Januar 2019 ist sogar die nächste. Danach ist wieder für ein paar Jahre Schluss damit.

Dies bedeutet, dass ihr entweder an die Orte reisen müsst, wo dieses Ereignis stattfindet oder ihr wartet so lange bis wieder bei euch eine ist . Eine partielle Mondfinsternis, bei der nur ein Teil des Mondes vom Schatten der Erde bedeckt ist, kommt häufiger vor als eine Totale. Diese wirken aber nicht so ganz spektakulär.

Der Grund dafür ist folgender. Bei einer totalen Mondfinsternis, färbt sich der Mond „blutrot“. Ok es ist nicht wirklich blutrot sondern ein sattes Orange, aber blutrot hört sich ja immer drastischer an und geheimnisvoller an. Dies passt dann besser zu den ganzen Mythen und Geschichten rund um den Mond / Vollmond.

Der rote Farbton kommt von dem kurzwelligen roten Lichtspektrum, dass die Erde auf den Mond reflektiert. Aber dies möchte ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Wer sich genauer mit diesem Thema beschäftigen will oder einfach mehr Erfahren möchte der kann sich zum Beispiel Informationen bei Wikipedia einholen.

Die Aufnahme einer Mondfinsternis

Eine partielle Mondfinsternis ist im Prinzip nicht schwer zu fotografieren. Diese unterscheidet sich im Prinzip kaum von einer normalen Vollmond Aufnahme. Ihr müsst euch nur etwas weniger Licht einstellen. Bei der totalen Mondfinsternis gibt es dazu noch weniger Licht. Die Grundlagen für das Fotografieren dieser Ereignisse sind die selben. Nur im Bereich der Belichtung und Fokussierung ist eine Totale herausfordernder.

Das nachfolgende Bild zeigt eine partielle Mondfinsternis, die ihr im oberen linken Bereich leicht erkennbar ist. Je nachdem wie stark und im welchen Winkel der Schatten der Erde auf dem Mond fällt, desto ausgeprägter ist die Abschattung.

partielle Mondfinsternis Februar 2017

Der wichtigste Faktor überhaupt ist, dass es am Himmel keine Wolken zu sehen sind. Leider kommt es immer wieder vor, dass bei solchen Ereignissen, eine dichtes Wolkenband jedes Unterfangen dahin schwinden lässt. So war es schon bei der Sonnenfinsternis am 11. August 1999 der Fall, bei anderen Mondfinsternissen, Milchstraße oder anderen Ereignissen im Bereich der Astrofotografie. Spielt das Wetter nicht mit, so müsst ihr auf einen anderen Zeitpunkt warten. So etwas kann aber auch ziemlich lange dauern, bis es wieder so eine Konstellation zu sehen gibt.

Wie heißt es so schön? Die Hoffnung stirbt zuletzt. So sollte jeder optimistisch an das Werk gehen und das Beste daraus machen. Bei der totalen Mondfinsternis seid ihr mit folgender Situation konfrontiert. Das Licht, dass der Mond reflektiert, wird um so schwächer je weiter der Schatten der Erde die Mondoberfläche bedeckt.

Folglich müsst ihr euch auf längere Belichtungszeiten einstellen. Das heißt auch, dass ihr eure Kamera auf einem Stativ montieren sollt. Wer wirklich scharf und qualitativ hochwertige Bilder machen möchte, der sollte immer ein Stativ verwenden. Auch ein Fern oder Kabelauslöser sollte immer zum Auslösen der Aufnahme verwendet werden. Denn gerade bei einer längeren Belichtungszeit sollten jegliche Wackler vermieden werden.

Wichtig ist auch, dass ihr manuell fokussiert. Das heißt, sofern euer Objektiv einen Autofokus (AF) besitzt, diesen auszuschalten. Manuelles fokussieren ist gar nicht so schwer und ihr solltet es einfach einmal ausprobieren. Ein normaler Vollmond eignet sich besonders gut zum Üben. Ihr werdet sehen, dass ihr sogar schärfere Bilder bekommen werdet als mit dem AF.

Dazu kann ich euch empfehlen, dass ihr über den LiveView eurer Kamera fokussiert. Nutzt bei dem Display auch die digitale Lupen-Funktion. Zoomt mit maximaler Vergrößerung auf die Mondoberfläche und dreht dann am Fokusring eurer Kamera. Dies solltet ihr solange machen, bis ihr ein scharfes Bild eingestellt habt. Es empfiehlt sich beim fokussieren, dass ihr ab und an kurz pausiert. Das bedeutet, dass ihr eure Hände ganz weg von dem Objektiv nehmt. So kann die Kamera in Ruhe ausschwingen und ihr könnt die eingestellt Schärfe besser beurteilen.

Das Einstellen an sich erfordert Geduld und Feingefühl. Ungeduldige und Grobmotoriker sollten sich dann doch vielleicht von anderen helfen lassen. Was ihr zudem braucht, ist viel Übung. Danach wird auch die manuelle Einstellung des Fokus kein Problem mehr darstellen.

Sicherlich ist das euch dieses Vorgehen sicherlich bekannt vorgekommen. Ja, denn dieses Vorgehen habe ich auch schon bei der normalen Vollmond Fotografie beschrieben. Im Prinzip ist alles ähnlich, nur gewisse Details ändern sich, die ihr wissen müsst. Zu diesen möchte ich jetzt kommen.

Die richtigen Einstellungen

Je nachdem in welcher Phase ihr euch, bei der totalen Mondfinsternis, befindet müsst ihr stetig die Belichtungszeit korrigieren. Wenn die totale Mondfinsternis ihren Zenit erreicht habt, so habt ihr an diesem Zeitpunkt die längste Belichtungszeit. Das bedeutet, dass entweder die Belichtungszeit verlängern werden muss, den ISO Wert erhöht oder die Blende geöffnet werden muss.

Bei der Belichtungszeit gibt es bekanntlich eine Faustregel, die ich in dem dritten Kapitel aufgehender Mond erklärt habe. Anhand dieses Richtwertes solltet ihr auch eure Einstellungen richten. Wenn die Belichtungszeit länger als der Richtwert ist, so solltet ihr entweder den ISO Wert an eurer Kamera erhöhen oder die Blende öffnen.

Abhängig ist dies auch immer von der Wahl eurer Brennweite. Je länger diese ist, desto kürzer könnt ihr belichten. Wenn ihr eine kleinere Brennweite verwendet, wie zum Beispiel eine 200mm, so könnt ihr zwar länger belichten aber verliert wiederum an Details. Denn je höher die Brennweite ist, desto besser könnt ihr Details von der Mondoberfläche ablichten.

Ihr seht also, es ist alles nicht so leicht. Das einfachste wäre, wenn ihr die ISO erhöht. Hier kommt es darauf an welches Kamera Modell ihr verwendet und wie gut diese das digitale Rauschen kompensieren kann. Ein Vollformat Sensor ist immer rauschärmer als ein ASP-C. Es sollte mindestens ein ISO Wert von 800 oder noch höher eingestellt werden. Gerade dann, wenn die totale Mondfinsternis ihren Höhepunkt hat.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass ihr die Blende eures Objektiv öffnet. Das Problem, das wohl viele kennen ist dieses, dass lichtstarke Objektive sehr viel Geld kosten. Je länger die Brennweite, desto tiefer brennt sich das Loch in die Haushaltskasse hinein. Daher gehe ich davon aus, dass die Mehrzahl von euch Lesern mit einer einer Anfangsblende von 5,6 oder 6,3 (wie ich auch) auskommen müssen. Wer die Blende weiter öffnen kann, der sollte dies auch tun. Die Lichtausbeute ist deutlich besser, als künstlich (digital) das Signal zu verstärken.

Bei den Aufnahmen der unterschiedlichen Phasen der Mondfinsternis solltet ihr folgendes beachten. Der Mond wandert stetig auf seiner Laufbahn. Dies bedeutet für euch, dass ihr das Objektiv mit bewegen müsst. Dadurch kann es sein, dass sich die Schärfe leicht verstellen kann. Daher solltet ihr immer, vor einer Aufnahme, noch einmal die Schärfe kontrollieren. Gerade dann, wenn der Zenit der Mondfinsternis erreicht wurde, solltet ihr die Schärfe kontrollieren. Ganz scharf bekommt ihr die Aufnahme währenddessen nie. Denn durch das schwache Licht und die Lichtverschmutzung in der Atmosphäre, wirkt alles ziemlich stark unscharf.

Meine persönliche Erfahrungen

Seitdem ich mit dem Fotografieren begonnen habe, konnte ich bis jetzt totale Mondfinsternisse nur zweimal fotografieren. Mich hat persönlich die normale Mondfotografie ziemlich gut auf die Mondfinsternis vorbereitet. Der aufgehende Mond eignet sich dabei sehr gut zum üben. Denn gerade dann, wenn dieser ein großer rot scheinender „Pfannkuchen“am Horizont aufgeht, ist die Situation ähnlich einer Mondfinsternis. Natürlich ist eine Mondfinsternis noch einmal deutlich dunkler. Ihr könnt aber bei dem manuellen Fokussieren und bei der Belichtungseinstellung sehr viel Erfahrung sammeln.

Einen weiterer Punkt, den ich beim Fotografieren gesammelt habe, ist das Problem mit den Brennweiten. Die erste Mondfinsternis, die ich fotografiert habe, wurde mit einem 70-300mm Objektiv aufgenommen. Für die Aufnahme wählte ich natürlich die Maximale Brennweite von 300mm. Dadurch lag die größte Blende bei f/5,6, was an der Bauweise des Objektiv liegt.

Nun, das Problem kennt ihr ja nun, dass bei einer Mondfinsternis, der Mond so gut wie kein Sonnenlicht reflektiert. Er strahlt nur noch das rote, kurzwellige Licht auf die Erde. So musste ich mich bei den Aufnahmen 2015 für einen ISO Wert von 1600 wählen um bei auf einen Belichtungswert von 0,6s zu kommen. Nach der Faustregel, die ich in dem dritten Teil dieses Tutorials schon erklärt habe, ist dies bei 300mm Brennweite und einer APS-C Kamera der richtige Belichtungswert.

Was ich euch empfehlen kann ist dies, dass ihr diese Faustregel eher als Richtwert ansehen solltet. Probiert auch einmal andere Einstellungen aus und versucht so eine optimale Belichtung zu finden. So versuchte ich auch eine Serie mit einer geringeren ISO Zahl von 1250 und einer längeren Belichtungszeit von 0,8 Sekunden. Vorteil daraus ist, dass ein geringerer ISO Wert, weniger Rauschen erzeugt. Zudem sorgt die etwas längere Belichtungszeit für eine höhere Lichtausbeute.

Wenn ihr die Werte verstellt, so solltet ihr dies immer in kleine Schritten tun. Achtet darauf, dass das Motiv dabei nicht in die Bewegungsunschärfe gerät. In den nachfolgenden Aufnahmen zeige ich euch die Unterschiede zwischen ISO 800, ISO 1250 und ISO 1600. Die Aufnahmen sind unbearbeitet also „Out of the Cam“ (direkt aus der Kamera).

Mondfinsternis - Blutmond bei mit einer ISO 800 Einstellung

Einstellungen

  • Blende: f/5,6
  • Belichtungszeit: 0,6s
  • ISO 800
  • Brennweite: 300mm

Hier ist es deutlich zu sehen, dass eine ISO Zahl von 800 deutlich zu gering ist. Daher empfiehlt es sich in diesem Fall die ISO Zahl zu erhöhnen oder wenn möglich die Blende zu öffnen.

Mondfinsternis - Blutmond bei mit einer ISO 1600 Einstellung

Einstellungen

  • Blende: f/5,6
  • Belichtungszeit: 0,6s
  • ISO 1600
  • Brennweite: 300mm

Die Erhöhung der ISO Zahl auf 1600 hat deutlich eine Verbesserung gebracht. Doch verstärkt ein höherer ISO Wert auch das digitale Rauschen in der Aufnahme.

Mondfinsternis - Blutmond bei mit einer ISO 1250 Einstellung

Einstellungen

  • Blende: f/5,6
  • Belichtungszeit: 0,8s
  • ISO 1250
  • Brennweite: 300mm

Die Reduzierung des ISO Wertes und die Verlängerung der Belichtungszeit ergaben für mich den besten Kompromiss für die Einstellung der Aufnahme.

Vielleicht könnt ihr es sehen, dass die Belichtungszeit von 0,8 noch gerade im Rahmen des Möglichen war. Woran man dies erkennt? Seht einfach rechts oben im Bild auf die Sterne (die hellen weiße Punkte). Bei ISO 1600 ziehen sie noch keine Spur, bei ISO 1250 fangen sie dafür leicht an. Eine noch längere Belichtungszeit hätte unweigerlich zu einer Unschärfe geführt. Aus diesem Grund solltet ihr immer, wenn ihr die Einstellungen verändert, die gemachte Aufnahme sorgfältig kontrollieren.

Unkalkulierbare Faktoren

Bei der Astrofotografie gibt es immer wieder Faktoren die ihr als Fotograf definitiv nicht beeinflussen könnt. Einer dieser Faktoren ist der Zeitpunkt, wann und eine Mondfinsternis stattfindet. Mein persönlicher, liebster Faktor ist das Wetter. Dieses lässt sich leider nie beeinflussen und die Wettervorhersagen sind auch nicht immer das, was sie vorhersagen.

Bei dem Zeitpunk meine ich speziell den Zeitpunkt (Uhrzeit), wann eine Mondfinsternis stattfindet. 2018 war es der Fall, dass der Zenit genau zu dem Zeitpunkt war, als der Mond aufging. Dies hatte zur Folge, dass der Mond bei seinem Aufgang nicht zu sehen war. Das Wetter hatte die Sicht, durch aufkommenden Dunst, zusätzlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Erst gegen später, als der Mond höher stand war er dann sichtbar. Aber zu diesem Zeitpunkt war die Zenit schon so gut wie vorbei.

2015 war die Mondfinsternis gegen vier Uhr morgens. Der Vorteil war dieser, dass es noch dunkel war und es eine sternenklare Nacht war. Nachteilig war dieser, entweder wach zu bleiben oder zu dem Zeitpunkt aufzustehen, als die Totale stattfand. Wenn ihr solche Ereignisse fotografieren möchtet, müsst ihr immer wieder mit Rückschlägen rechnen. Umso besser ist es aber dann, wenn ihr es geschafft habt, doch eine Aufnahme zu machen. Ärgern bringt einem nicht weiter, da ihr es eh nicht ändern könnt. Solche Dinge müssen immer sportlich gesehen werden.

Im nächsten Kapitel werde ich euch nun erklären, wie ihr eine Stacking Aufnahmen am Besten erstellen könnt.