Mondfotografie – Teil 3 aufgehender Mond

Veröffentlicht von Reiner Ugele am 16.12.2018

Aufgehender Vollmond - Mondfotografie

Wer von euch hat schon einmal einen aufgehenden Mond beobachtet? Wer dieses Ereignis schon einmal gesehen hat, der weiß wie faszinierend dieser Moment sein kann. Gerade im Herbst bis in die Winterzeit hinein, kann dieser sehr spektakulär sein. 

Er wirkt dabei wie riesiger gelb, orange leuchtender Pfannenkuchen. Natürlich ist der Mond eher ein eiernde Kugel und nicht flach, aber abstrakt gesehen wirkt dieser, in dieser Zeit einfach so. 

Einen aufgehenden Mond kann aber auch zu jeder anderen Jahreszeit fotografiert werden. Jeder der gerne den Mond fotografiert oder fotografieren möchte, der sollte diesen Zeitpunkt unbedingt mit seiner Kamera festhalten.

Was ihr zuerst beachten solltet

Am Besten ist es, wenn ihr den Mondaufgang bei der Vollmondphase aufnehmt. Dies hat hat mehrer Gründe. Der eine Grund ist dieser, dass in der Regel der Sonnenuntergang auf den Mondaufgang fällt. 

Der Mond wirkt deutlich besser, je weniger Sonnenlicht noch vorhanden ist. Aber eine komplette Dunkelheit ist für das scharfstellen wiederum schlecht. Die Blaue Stunde, die Stunde nach Sonnenuntergang, eignet sich daher für Mondaufgang Aufnahmen am Besten. 

Wann der Mondaufgang und der Sonnenuntergang ist, erfahrt ihr in diversen Apps oder sucht im Internet zum Beispiel auf der Seite Timeanddate. Dort schaue ich immer den genauen Zeitpunkten nach, an welchem Tag Vollmond ist und um welche Uhrzeit der Mondaufgang stattfindet. 

Auf der oben genannten Internet Seite  könnt ihr auch die Uhrzeit für den
den Sonnenuntergang an eurem Standort finden. Eins solltet euch immer bewusst sein: je weiter östlicher ihr euch befindet, desto früher ist der der Mondaufgang / Sonnenuntergang. Je weiter westlicher, desto später ist dieser. 

Daher ist eine genaue Standort Angabe immer wichtig, um die exakte Zeit ermitteln zu können. Die Mondaufgangs-Phase dauert nur wenige Minuten, daher ist eine akribische Planung und Vorbereitung immens wichtig. 

Aufgehender Vollmond
Aufgehender Vollmond hinter einem Wolkenband

 Die Kameraeinstellungen bei einem aufgehenden Mond

Einen aufgehenden Mond zu fotografieren ist, von den Einstellungen her  anders, als es bei einem Vollmond der Fall ist. Je nach Jahreszeit und Wetterlage benötigt ihr eine gegebenenfalls eine längere Belichtungszeit, eine kleinere Blendenzahl oder höhere ISO Werte.

Wenn der Mond aufgeht, so ist dieser oftmals nur als große, schwache leuchtende und verschwommene Scheibe erkennbar. Diese sehr lichtschwache Situation hat zur Folge, dass ihr eure Blende öffnen müsst und die Belichtungszeit verlängern müsst.

In klaren kalten Nächten konnte ich aber auch mit einer Blende 8 Aufnahmen, von dem  aufgehenden Vollmond erstellen. Wenn ihr fotografiert, so müsst ihr  dies immer Situationsbedingt entscheiden. Ich würde anhand der Belichtungszeit entscheiden, welche Blende ihr verwendet. 

Aber bei der Belichtungszeit gibt es noch etwas zu beachten. Denn es gibt gerade bei langen Brennweite eine maximale Belichtungszeit, die ihr einstellen könnt um nicht in die Bewegungsunschärfe zu kommen. Denn der Mond bewegt sich. Würdet ihr zu lange belichten, hättet ihr nur noch eine unscharfe dicke Linie als Mond. 

Um nun herauszufinden welche Belichtungszeit ihr maximal an eurer Kamera einstellen könnt, bedient ihr euch folgender Faustregel:

ASP-C Kameras: 300 / (Brennweite * Cropfaktor) = Belichtungszeit in Sekunden
Vollformat: 500 / Brennweite = Belichtungszeit in Sekunden

Den daraus erhaltenen Wert für die Belichtungszeit, könnt ihr als ungefähren Richtwert ansehen. 

Aber ich möchte noch kurz auf die Fautsregel eingehen, damit dies für jeden verständlich ist. Die Werte 300 bei ASP-C und die 500 bei Vollformat sind feste Werte, die sich nicht verändern. 

Für die Brennweite nehmt ihr das, was ihr bei eurem Teleobjektiv eingestellt habt. Wenn ihr ein zum Beispiel ein 600mm Objektiv nehmt, aber nur 400mm eingestellt habt, so müsst ihr bei der Berechnung auch die 400mm verwenden. 

Beispiel für auftretende Probleme bei einem aufgehenden Mond - Unschärfe des Mond und störende Stromleitungen

Aufgehender Vollmond

Canon 70D

Canon EF 70-300mm bei 300mm

Blende f/8, Belichtungszeit 1/4s, ISO 200 

Den Cropfaktor dürft ihr bei gerade bei ASP-C Sensoren nie außer Acht lassen und diesen mit einberechnen. Bei Canon liegt der Wert bei 1,6 und bei Nikon ca 1,5. Wenn ihr einen anderen Kamera Hersteller haben solltet, so nehmt ihr einfach einen dieser Werte. Denkt daran, der hier ausgerechnete Wert ist nur ein Richtwert für die maximale Belichtungszeit! 

Verstärkung (des Signals) voraus! 

Je nach Wetterlage, Uhrzeit oder Jahreszeit kann sich die Situation natürlich auch ändern. Falls die Belichtungszeit zu lange werden, so müsst ihr entweder mit dem ISO Wert oder der Blende dagegen steuern. 

Mehr als ISO 800 kann ich niemanden empfehlen. Diesen Wert solltet ihr auch nur dann verwenden, wenn wirklich sehr schlechte Lichtverhältnisse vorherrschen. Das Problem liegt nun nicht an den Kameras, sondern eher an einem ganz anderem. Es liegt am Horizont.  Denn Abwärme von Städten, Lichtverschmutzung, Luft-Turbolenzen usw. erzeugen schon ein Rauschen. Einen zu hoch eingestellter ISO Wert würde diese nur verstärken.

Jeder kann sich sicherlich denken, dass das Ergebnis eher ein rauschendes Pixelmeer ergibt, als eine schöne Mondaufnahme. Daher würde ich euch empfehlen, dass ihr den ISO Wert lieber Schrittweise erhöht, bis ihr den empfohlenen Richtwert der Faustregel erreicht habt. 

Aufgehender Vollmond der orange Leuchtet.

In der oberen Aufnahme ist zu erkennen, dass eine hohe ISO Zahl, das natürliche Rauschen deutlich verstärkt. Je dunkler die Umgebung ist, desto schwerer wird es, die Aufnahme richtig zu belichten (und zu fokussieren). 

In solchen Fällen bleibt einen dann nichts anderes übrig, als die ISO Zahl zu erhöhen und/oder die Blende zu öffnen. Lieber sollte ein Rauschen in kauf genommen werden, als dass die Aufnahme unscharf wird. Das Rauschen kann mittels Bildbearbeitung im nachhinein besser reduziert werden, als eine Unschärfe.   

Scharfes Bild

Wenn ich schon von dem Problem mit der Abwärme und den Luft-Turbulenzen geschrieben habe, möchte ich noch auf das andere daraus resultierende Problem eingehen. Das Scharfstellen der Aufnahme ist dabei eine richtige Herausforderung. 

Wenn ihr einen Aufgehenden Mond fotografiert steht ihr vor folgendem Szenario. Der Mond ist noch nicht aufgegangen und wie stellt ihr nun die Aufnahme scharf? Auf Unendlich stellen bringt nur bedingt etwas, denn 100 Prozentig scharf wird die Aufnahme trotzdem nicht sein. 

Denn ihr müsst immer nachjustieren und das sind oft Millimeter, die ihr am Fokusring verstellen müsst. Aber… ja nun kommt das große Aber! Oftmals verhält sich die Situation so, dass ihr den aufgehenden Mond gar nicht richtig scharf abgebildet bekommt. Gerade durch die schon genannten Luft-Turbolenzen wird dies recht schwierig. 

In den Sommermonaten, wenn es warm oder sehr heiß ist, ist dieses Problem besonders groß. In den Wintermonaten oder in den kühleren Monaten, habt ihr dafür das Gegenteil. Da lässt sich dann der Mond, sobald dieser über den Wolken freien Horizont schaut, sehr gut scharf stellen. 

Ein Ratschläge zu den Aufnahmen

Ihr solltet euch für eine gute Aufnahme, einen geeigneten Standort suchen. Einer meiner Favoriten ist das Motiv, dass der Mond hinter einer Bergkuppe, zum Vorschein kommt. Ihr müsst also vorab schon einmal einen geeigneten Standort für die Aufnahmen finden. Bei mir ist immer das Problem, dass sich Strommasten und Leitungen sich perfekt in die Aufnahme gesellen müssen. Dies hatte schon Öfters zur Folge, dass ich aufwendig die jeweilige Aufnahme retuschieren musste. 

Aus diesem Grund kann ich jeden nur eine etwas erhöhte Position empfehlen, die frei von Strommasten und Leitungen sind. Denn eine Retusche verschönert das Bild nicht unbedingt und kostet zudem viel Zeit. 

Denkt auch daran, dass der Mond im Januar von Nord-Ost nach Osten wandern und im Sommer dann Süd-Östlich dann verläuft. Dies bedeutet, wenn ihr nicht schon den perfekten Standort gefunden habt, dass ihr immer wieder eine neue Position für die Aufnahme finden müsst.

Bild eines aufgehenden Mondes - Mondfotografie
Aufgehender Vollmond – Mondfotografie

Mit ein bisschen Übung werden auch eure Mondaufgang Aufnahmen garantiert etwas werden. Was nur mitspielen muss, ist das Wetter. Dies ist leider nie richtig vorhersagbar oder lässt sich so beeinflussen, dass ihr immer klare Sicht auf den Mond habt. Ihr solltet das immer sportlichen sehen. Auch das, dass nicht jede Aufnahme auf Anhieb ein super Bild wird. Es wird sicherlich vorkommen, dass  ihr was in der Eile vergessen habt einzustellen oder umzustellen. Dies kommt vor, wichtig ist nur, dass ihr dranbleibt und aus euren Fehlern lernt. 

Ach ja, an dieser Stelle noch einmal die Erinnerung daran, dass ihr auch bei diesen Aufnahmen einen Fern- oder Kabelauslöser verwendet. Gerade bei längeren Belichtungszeiten und Brennweiten sollte jeder Art von Wackler ausgeschlossen werden. 

Im nächsten Teil möchte ich noch die anderen Mondphasen / Ereignisse wie der Mondfinsternis behandeln.