Den Mond fotografieren – Teil 1 Grundlagen

Veröffentlicht von Reiner Ugele am 05.12.2018

Vollmond hinter einem Zweig Astrofotografie

Der Mond hat mich persönlich schon immer fasziniert. Er ist auch eines meiner Lieblingsmotive, neben dem Nebel,  seit ich mit dem Fotografieren angefangen habe. Die unterschiedlichen Phasen und Ereignisse, die mit dem Mond zu tun haben, bieten immer wieder tolle Momente in der Fotografie.

Bekanntlich ist jeder Anfang schwer. So ist es auch mit der Fotografie und insbesondere bei der Mondfotografie. Wer jetzt voller Idealismus ist und meint, im Automatik Modus mit eingeschalteten Autofokus, den Mond fotografieren zu können, wird schnell eines besseren belehrt werden. Da kann ich jedem von vorne rein sagen, dass solche Aufnahmen nichts werden.

Auf die Ausrüstung kommt es an

Wer wirklich schöne Mondbilder aufnehmen möchte, der braucht auch eine gute Ausrüstung.  Bei der Wahl der Kamera müsst ihr eigentlich nicht viel beachten. Außer mit einem Smartphone oder mit einer kompakten Kamera würde ich solche Fotografien eher lassen. 

Bridge Kameras mit einem Superzoom funktionieren ebenso, wie Third-Four, ASPC oder Vollformat Kameras. Wichtig ist eigentlich nur dies, dass die Kamera auch bei höheren ISO Werten, das Bild nicht zu sehr rauschen lässt. Dabei möchte ich an dieser Stelle noch anmerken, dass es noch eine spezielle Technik gibt, die dies minimieren lässt. Dazu komme ich aber noch später in einem separaten Kapitel. 

Was wirklich unerlässlich ist und auch jeder haben sollte, ist ein stabiles Stativ. Dies ist sogar noch wichtiger als ein gutes Objektiv. Denn wenn ihr den Mond aufnehmen wollt, so sollte die Kamera nicht wackeln oder verrutschen. Achtet auch immer darauf, dass der Stativkopf auch das Gewicht der Kamera tragen kann. Achtet darauf, dass das zulässige Gewicht des Kopfes gut 2-3kg mehr beträgt, als das Gewicht der Kamera mit dem aufgesteckten Objektiv. 

Mondaufgang im Winter mit Blick auf die Körper Höhe - Mond Fotografie
Mondaufgang im Winter mit Blick auf die Körper Höhe – Mondfotografie

Für meine Aufnahmen verwende ich einen Kugelkopf. Einen sogenannten Gimbal Stativkopf (umgangssprachlich auch Affenschaukel genannt) könnt ihr auf dafür verwenden. Dieser erfüllt ebenso sehr gut seinen Zweck. Dieser  ist fast sogar noch besser als der Kugelkopf, gerade dann wenn lange Brennweiten ab 400mm aufwärts verwendet werden.  

Einen Fernauslöser, kabelgebunden oder über Funk, solltet ihr immer verwenden. So wird verhindert, dass ihr beim Auslösen versehentlich die Kamera in Schwingung versetzt. Denn dies kann dazu führen, dass ihr eine Bewegungsunschärfe in die Aufnahme hineinbekommt. Bewegungsunschärfe bedeutet unweigerlich, dass ihr die Aufnahme löschen könnt.

Das richtige Objektiv

In meinen Anfängen habe ich den Mond erst mit einer Brennweite von 200mm und 250mm fotografiert. Die Ergebnis waren für mich (damals) wirklich toll. Spätere Aufnahmen habe ich dann mit einem 300mm aufgenommen, was auch eine Verbesserung brachte. 

Gerade wenn es um die Details bei der Mondfotografie geht, ist jedes Plus an Brennweite ein Plus an Details. Heute fotografiere ich den Mond mit einer Brennweite von 600mm mit einer ASP-C Kamera. Das heißt, dass die dargestellt Brennweite, also umgerechnet auf das Kleinbild Format, 960mm auf der Aufnahme entspricht. 

Wer es nicht weiß: ASP-C Kameras/ Sensor Chips haben bei Teleobjektiven einen Faktor von 1,5 – 1,6 (Abhängig vom Hersteller). Um diesen Faktor vergrößert sich die Brennweite. Also bei einer 600mm Brennweite * 1,6 ergibt sich eine dargestellte Brennweite von den genannten 960mm. Bei Third-Four Kameras liegt der Faktor bei ca. 2. Nur bei Vollformat Kameras gibt es keinen Umrechnungsfaktor, da bleibt alles wie es ist. 

Vollmond hinter Wolken Astrofotografie - Mond Fotografie
Vollmond hinter Wolken Astrofotografie

Jetzt hätte ich fast noch vergessen euch zu schreiben, welche Brennweite nun wirklich für die Mondfotografie geeignet ist. Nun ab 200mm Aufwärts könnt ihr alles verwenden. Wer detaillierte Aufnahmen von dem Mond haben möchte, der sollte zu längeren Brennweite 400 -600mm verwenden. Alternativ könnte auch ein Teleskop mit Kamera Anschluss verwendet werden. Aber dies ist ein ganz anderes Thema. 

Die Einstellungen bei der Mondfotografie

Für jede Phase des Mondes gibt es unterschiedliche Einstellungen. So hat ein Mondaufgang eine andere Belichtungszeit, wie ein Vollmond der hoch oben im Zenit steht. 

Daher solltet ihr immer den manuellen Modus eurer Kamera verwenden. Die richtige Belichtungszeit findet ihr am Besten mittels den LiveViews eures Kamera Displays. Natürlich solltet ihr auch immer den Belichtungsmesser beachten um so die Aufnahme richtig zu belichten. 

Aber dem Belichtungsmesser ist auch nicht immer zu trauen. Daher solltet ihr am Besten selber entscheiden, wie ihr die Aufnahme belichten wollt. So vermeidet ihr eine extreme Über- oder Unterbelichtung.

Die Blendenzahl sollte in der Regel zwischen 8 und 11 liegen. Somit ist die höchste Qualität der Aufnahme, von Seiten eures Objektivs, gewährleistet. Zu den anderen negativen Einflüssen, die eure Qualität beeinflussen können, erkläre ich euch in einem anderen Kapitel dieses Tutorials. 

Was ihr auf auf alle Fälle tun solltet, dass ihr den Autofokus ausschaltet wie auch den Bildstabilisator (falls vorhanden). Denn nur so bekommt ihr auch wirklich scharfe Aufnahmen. 

Wenn ihr manuell fokussiert, so solltet ihr dies auch wieder den LiveView eurer Kamera verwenden. Zuerst Ihr richtet die, auf ein Stativ montierte, Kamera auf den Mond aus. Wenn der Mond oder ein unscharfer weiße Fleck auf dem Display erscheint, arretiert ihr die Kamera (stellt sie fest). Dann stellt ihr die maximalen Brennweite eures Objektivs auf den Mond ein. 

durch Wolken strahlender Vollmond - Mond Fotografie
durch Wolken strahlender Vollmond – Mondfotografie Vollmondnacht

Der Meister am Rädchen

Habt ihr dies nun getan, geht es an das scharfstellen. Im Display eures LiveView benutzt ihr am Besten die digitale Lupen Funktion und zoomt mit der maximale Stufe in das Bild hinein. 

Sucht euch bei dem Mond einen Krater, den ihr gut scharf stellen könnt. Ab jetzt heißt es mit Fingerspitzengefühl den Fokusring solange drehen, bis die Aufnahme erst einmal scharf wird. Dabei wird das Stativ bzw. das Display ziemlich stark wackeln. Daher dreht immer wieder etwas, nehmt die Finger immer wieder von dem Fokusring weg und kontrolliert die Aufnahme. Dies wiederholt ihr solange, bis ihr optimale Schärfe für die Aufnahme erreicht habt. 

Dies kann von einem doch etwas Geduld abverlangen. Aber nur so bekommt ihr wirklich eine scharfe Aufnahme hin. Da kann kein Autofokus mithalten! Wer im Winter den Mond fotografieren möchte, der sollte ohne Handschuhe am Fokusring drehen. Dies kann sich doch als sehr unhandlich erweisen, gerade wenn es um das feine justieren der Schärfe geht.

Ein bekannter Spruch heißt ja: „Übung macht den Meister“. Das ist auch hier der Fall. Ihr solltet euch nicht gleich entmutigen lassen, sondern viel Geduld und Ausdauer mitbringen. Es lohnt sich! 

Bereit für die ersten Mond Aufnahmen

Im Prinzip war das eigentlich schon alles. Ihr solltet nur vor der Aufnahme bzw. schon beim Aufbau den Kabel – Fernauslöser an eurer Kamera anbringen. Schon seid ihr bereit, die ersten Aufnahmen zu erstellen. 

Zum Abschluss möchte ich euch noch einen Workflow mitgeben, damit ihr seht, wie ich bei meinen Mondfotografien vorgehe.

  • Kamera auf ein stabiles Stativ montieren
  • Autofokus auf manuell stellen
  • Bildstabilisator auf aus
  • Kabel – / Fernauslöser montieren
  • Auf manuellen Modus stellen
  • LiveView Modus einschalten
  • Kamera auf den Mond ausrichten 
  • maximale Brennweite auf den Mond einstellen
  • Ausrichtung ggf. korrigieren
  • Blende einstellen  – Blende 8 – 11. 
  • Belichtung einstellen (kurze Belichtungszeit von Vorteil)
  • ISO einstellen (ISO 100-200)
  • am Fokusring scharfstellen
  • mittels LiveView und digitaler Lupenfunktion kontrollieren 
  • Einstellungen kontrollieren 
  • Auslösen
  • Aufnahme kontrollieren
  • ggf. korrigieren 

Der Punkt mit der ISO Einstellung habe ich hier noch nicht behandelt. Grund dafür ist, dass es je nach Situation es zu einer anderen Einstellung kommen kann. Dies möchte ich dann noch in den anderen Teilen genauer beschreiben und auch auf die einzelnen Situationen genauer eingehen. 

Bei einem Vollmond in einer klaren Nacht, solltet ihr die niedrigste ISO Zahl wählen. Eine niedrige ISO Zahl reduziert das digitale Rauschen, das von dem Signal Prozessor eurer Kamera erzeugt wird. Dies hat wiederum den Vorteil, dass ihr eine höhere Qualität erreichen könnt.

Aber dies könnt ihr im nächsten Kapitel –  Mondfotografie – Teil 2 Vollmond lesen.