Langzeitbelichtung ohne ND Filter?

Veröffentlicht von Reiner Ugele am 24.11.2019

Hörschbach Wasserfall Murrhardt Langzeitbelichtung

Im Herbst ist es immer am schönsten, um raus in die Natur zu gehen und Wasserfälle mittels Langzeitbelichtung zu fotografieren. Die herbstlichen Farben geben dem Motiv einen, in Kombination mit dem fließenden Wasser, einen wunderschönen Kontrast. Natürlich sieht das Wasser noch besser aus, wenn die Aufnahme lang belichtet. Denn dann wirkt das Wasser langgezogen und weich, so als ob es gemalt wurde.

Bei einer Langzeitbleichtung wird ein ND Filter verwendet

Um solch einen Effekte zu erzielen, wird in der Regel ein spezieller Filter verwendet. Diese nennen sich Neutrale Dichte (ND) und haben die Aufgabe wenig Licht auf den Kamera Sensor zu lassen. Je nach Stärke des Filters kann bei Tageslicht eine Aufnahme zeitlich verlängert werden, ohne dass das Bild überbelichtet wird. Die Anwendung mit diesen Filtern, beschränkt sich nicht nur auf die Naturfotografie. Langzeitbelichtungen lassen in ebenso in verschieden Bereich der Fotografie einsetzen. Doch dies ist ein anderes Thema und auch nicht Inhalt dieses Beitrags.

ND Filter vergessen?! Was nun ?

Ja, es kann jeden einmal passieren, dass etwas vergessen wurde. Nehmen wir mal das schlechteste Szenario an und ihr wollt an einem Wasserfall eine Langzeitbelichtung vornehmen. Das Problem ist, ihr habt euren ND Filter vergessen. Was nun? Einfach normal den Wasserfall fotografieren? Sieht sicherlich auch toll an, aber das weiche, langgezogene Wasser fehlt einfach. Also das gewisse extra, das man gerne hätte. Ihr könnt auch frustriert wieder nach Hause gehen und euch über euer Missgeschick euch aufregen.

Was kann man tun? Versuchen die Blende zu schließen um so eine länger Belichtungszeit zu erreichen? Dies kann eine Effektive Methode sein, doch besteht dann das Problem, dass die Aufnahme nicht richtig belichtet wird. Also ist dies auch nicht wirklich eine Option. Das heißt, ihr könnt euch doch nur noch über den Vergessenen Filter aufregen und wieder heim gehen?

Könnt ihr müsst ihr aber nicht. Denn es gibt mit Photoshop einen Trick, mit dem ihr ohne Probleme eine Langzeitbelichtung simulieren könnt. Ja, das alles ohne einen einen ND Filter! Diese Methode bewirkt den selben Effekt wie mit einem Filter und besitzt sogar noch gewisse Vorteile gegenüber eine Langzeitbelichtung.

Die Serienaufnahme als Lösung

Eine Serienaufnahme von 20 bis maximal 30 Aufnahmen reichen vollkommen aus, um eine Grundlage zu schaffen. Wichtig ist, dass ihr für jeder Aufnahme die selben Einstellungen verwendet. Das heißt gleiche Belichtungszeit, Blendeneinstellung, ISO und nicht zu vergessen der Weißabgleich. Zudem sollte der Autofokus ausgeschaltet bleiben und fokussiert am Besten manuell.

Eine Serienaufnahme die später als Grundlage für die simulierte Langzeitbelichtung für den weichgezeichneten Wasserfall dienen.
Serienaufnahme ohne ND Filter

Zudem empfehle ich euch, dass ihr eure Kamera fest auf ein Stativ montiert und mittels Kabelauslöser / oder Fernauslöser die Aufnahmen dann auslöst. Die Aufnahmen sollten im RAW Modus aufgenommen werden, um später bei der Bearbeitung die Aufnahmen besser korrigieren zu können.

Wenn die Aufnahmen erstellt sind, fehlt es nicht mehr viel, bis ihr das fertige Bild betrachten könnt.

Vorbereitung der Aufnahmen

Der nächste Schritt ist das übertragen der Aufnahmen auf euren Rechner. Schaut als alles erstes eure Aufnahmen an. Verwackelte Bilder oder Aufnahmen die einfach nichts geworden sind sortiert ihr gleich einmal aus. Denn in der Regel braucht ihr für den angestrebten Effekt weniger Aufnahmen als ihr gemacht habt.

Für meine Bearbeitung verwende ich Camera RAW bzw. Adobe Bridge. Aber ihr könnt diese ebenso mit Adobe Lightroom bearbeiten, denn einen wirklich großen Unterschied gibt es bei den Programmen nicht wirklich.

In Camera RAW wählt ihr alle Aufnahmen aus, die ihr für die Bearbeitung verwendet möchtet. Klickt auf das erste Bild der Serie und haltet dann die linke Shift (Hochstelltaste) Taste gedrückt und klickt dann mit der Maus auf euer letztes Bild. So sollten nun alle Aufnahmen ausgewählt sein, die ihr verwenden möchtet.

Nun klickt oben auf das Blenden Symbol ( in Camera RAW öffnen… ) und so werden die Bilder in den Camera RAW Editor geladen. Das erste was ihr machen solltet ist dies, dass ihr wieder alle Aufnahmen auswählt. Dies geht am schnellsten mit den Shortcut strg + a . Damit werden alle eure Einstellungen die ihr im Camera RAW Editor macht auf die anderen Aufnahmen synchronisiert. Wie ihr euer Bild im Endeffekt entwickelt, ist ganz euch überlassen. Meine Empfehlung ist diese, dass ihr erst einmal die Grundeinstellungen macht. Das heißt Lichter und Tiefen einstellen, Belichtung korrigieren, Objektiv-Korrekturen und schärfen.

Smartfilter als ND Filter Ersatz

Wenn ihr nun die ganzen Einstellungen unter Camera RAW vorgenommen hat, müsst ihr die Aufnahmen in Photoshop CC laden. Dies macht ihr bei Adobe Bridge unter dem Reiter “ Werkzeuge -> Photoshop -> Dateien in Photoshop-Ebenen laden… „. In Lightroom Classic geht dies unter “ Foto -> Bearbeiten in -> In Photoshop als Ebenen öffnen “ .

Die Aufnahmen werden nun in Photoshop 2020 geladen und als Resultat sollten alle Aufnahmen untereinander, als eine einzelne Ebenen stehen. Jetzt sind es nur noch drei Schritte bis zu eurer Langzeitbelichtung. Ihr müsst wieder alle Aufnahmen auswählen ( Alt + Strg + A ) und diese dann zu einem Smartobjekt konvertieren.

Unter dem Menü Reiter Filter findet ihr den Befehl “ Für Smartfilter konvertieren „. Diese klickt ihr an und jetzt sollte Photoshop anfangen zu rechnen und einen Smartfilter Container erstellen.

Was ihr jetzt nur noch machen müsst, sind die Aufnahmen miteinander verrechnen zu lassen. Dies geht indem ihr unter dem Reiter “ Ebenen -> Smartobjekte -> Stapelmodus -> Mittelwert “ verwendet. Ihr könnt auch für eure Aufnahmen auch einmal andere Stapelmodi verwenden und so schauen, welcher zu euren Aufnahmen am Besten passt. In der Regel ist der Mittelwert, der Wert der immer funktioniert.

Vergleich einer Einzelaufnahme mit dem zusammen verrechneten Endergebnis.
Vergleich einer einzel Aufnahme mit dem Endergebnis

Der Vorteil bei einer Serienaufnahme

Bei Langzeitbelichtung Aufnahmen ist der Wind immer wieder ein Störfaktor. Gerade dann, wenn ihr Bäume, Sträucher oder Gräser mit in der Aufnahme habt, bewegen die sich während ihr belichtet. Als Resultat bekommt eine unschöne Bewegungsunschärfe durch die sich bewegende Elemente. Solche Faktoren könnt ihr bei einer Serienaufnahme einfacher ausschließen. Zu einem belichtet ihr nicht lange, so dass der Effekt gar nicht entsteht. Dazu habt ihr immer noch die Chance diesen unschönen Effekt einfach heraus zu retuschieren.

Wie das geht? Ganz einfach ihr nehmt aus der Serienaufnahme ein Bild heraus, legt es als Ebene über den Stapel (Smartobjekt). Erstellt dann eine Maske invertiert diese und maskiert diese dann mittels eines Pinsel die unscharfen Bereichen heraus. Mehr ist das nicht und wer etwas mit Photoshop gearbeitet hat, für den ist dies wirklich kein Problem.

Bei einer Langzeitbelichtung ist diese Methode doch etwas schwieriger. Denn ihr müsst im Prinzip zusätzlich zu der Langzeitbelichtung eine korrekt belichtete Referenzaufnahme erstellen. Aber in der Regel wird so eine Aufnahme nicht wirklich gemacht. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass jeder eher dazu geneigt, eher eine zweite oder dritte Langzeitbelichtung zu erstellen. Ihr seht also, dass eine Serienaufnahme doch seine Vorteile mit sich bringen kann.

Eine gute Alternative zu ND Filter

Natürlich gibt es bei allen Techniken gewisse Vor- und Nachteile. So kann bei der Verwendung eines Filters ein Farbstich aufweisen, was bei einer Serienaufnahme nicht der Fall ist. Das ist aber auch wieder kein Problem dieses Problem mittels Raw Konverter wieder zu beheben.

Auch kann bei einer Serienaufnahme wechselnde Lichtverhältnisse zu einem unschönen Ergebnis führen. Oder ihr habt einfach zu wenige Aufnahmen erstellt. Trotzdem ist die Serienaufnahme eine gute Alternative zu Filtern, wenn ihr Wasser weichzeichnen möchtet.

Gerade dann, wenn ihr vergessen habt einen Filter mitzunehmen oder gar keinen besitzt, könnt ihr mit dieser Methode ebenso eine Langzeitbelichtung Aufnahme erstellen. Wie ihr jetzt schon wisst, kann sogar das Ergebnis sogar besser sein, als wenn ihr einen Filter verwendet habt.

Wie schon geschrieben, können bei einer Langzeitbelichtung störende Elemente mit in die Aufnahme kommen. Dies führt immer zu einer aufwendigen Retusche und die Qualität leidet darunter. Bei einer Serienaufnahme sortiert ihr die Bilder heraus, die ihr nicht verwendet möchtet. Ihr müsst nicht ewig lange retuschieren und die Qualität leidet darunter auch nicht.

Natürlich ist der Aufwand bei der Serienaufnahme größer und wer jetzt kein Photoshop besitzt, der sollte dann doch eher zu einem Filtersystem greifen. Wenn ihr daran denkt, eine Referenz Aufnahme ohne Filter zu erstellten, dürfte auch eine mögliche Retusche zu keinen Qualitätseinbußen führen. Einfaches maskieren / demaskieren reicht da völlig aus, ohne die Retusche Werkzeuge wie den klassischen Kopierstempel von Photoshop zu nutzen.

Wenn ihr die Möglichkeit habt, so sollte einfach einmal beide Methoden ausprobieren. Vergleicht dann die Aufnahmen miteinander und sicherlich werdet ihr sehen, dass ihr auch mit einer Serienaufnahme eine Langzeitbelichtungs „Simulation“ erstellen könnt.

In meiner Galerie findet ihr auch noch ein paar Aufnahmen, die ich mittels Langzeitbelichtung erstellt habe.