Fotografieren im Herbst – Langzeitbelichtung

Veröffentlicht von Reiner Ugele am 03.09.2020

Uracher Wasserfall mit einer Langzeitbelichtung im Herbstlichen Look

Wie heißt es so schön? Die Zeit vergeht wie im Fluge und siehe da, der Herbst steht schon wieder vor der Türe. Ja und dies erkennt man nicht nur daran, dass in den Supermärkten wieder Weihnachtsgebäck erhältlich ist (jetzt sogar schon im August!). Der Herbst ist und bleibt für mich die schönste Jahreszeit, die man zum fotografieren auch nutzen sollte. Es gibt unzählige Motive, die im Herbst einfach besser aussehen, als in den anderen Monaten.

Was ich gerne im Herbst fotografiere ist Wasser. Genauer gesagt Wasserstufen oder Wasserfälle. Aber eine normal belichtete Aufnahme, selbst im bunten Herbstkleid geschmückt, wirkt doch sehr langweilig. Um die Aufnahme interessanter zu machen, wird die Belichtungszeit verlängert. Dies hat dann zur Folge, dass das Wasser weich gezeichnet wird und es einen schönen Effekt gibt. Wie ihr so eine Aufnahme erstellen könnt, möchte ich euch jetzt kurz erklären.

Die Ausrüstung für eine Langzeitbelichtung

Zu allererst möchte ich euch darauf hinweisen, dass ihr immer eure Ausrüstung schützen sollt. Wenn ihr an oder im Wasser fotografiert, besteht immer die Gefahr, dass eure Kamera oder das Objektiv nass wird. Dies kann im schlimmsten Fall zu einem Totalausfall führen. Daher achtet immer darauf, dass eure Kamera und das Objektiv stets trocken bleibt und vor allem nicht ins Wasser fällt.

Das Stativ

Daher ist es schon einmal wichtig, dass ihr ein stabiles Stativ besitzt, welches nicht sofort bei einem kleinen Windhauch umstürzt und dieses auch eure Kamera tragen kann. Investiert dort lieber etwas mehr, am Besten in ein Carbon Stativ. Dieses ist nicht nur sehr leicht, sondern es nimmt auch keine Kälte an. Das heißt, ihr könnt auch in kalten Tagen dieses ohne Probleme anfassen ohne (gefühlte) „Erfrierungen“ zu erhalten. Ihr müsst dabei schon mit über 100€ aufwärts rechnen, wenn ihr euch ein qualitativ besseres Carbon Stativ zulegen wollt. Falls ihr nicht zu ungeduldig seid könnt, dann wartet doch einfach ab bis so ein Stativ im Angebot ist. Denn so habe ich es bei meinem gemacht und einiges gespart.

Mit einem Kugelkopf macht ihr eigentlich nie was falsch. Ihr seid auch so flexibel genug um auch andere Motive zu fotografieren. Es mag vielleicht sich etwas „fummeliger“ anzufühlen, wenn ihr eure Kamera ausrichtet, aber dies ist doch eher vernachlässigbar. Mit ein bisschen Übung sollte dies auch keine Hürde sein. Auch das maximale Tragkraft spielt bei dem Stativkopf eine wesentliche Rolle. Schaut immer, das viel Luft nach oben ist! Es gibt nichts nervigeres, als wenn der Kopf anfängt nachzugeben und während den Aufnahmen zu kippen beginnt.

Ihr solltet auch darauf achten wie hoch sich das Stativ ausfahren lässt. Bedenkt also immer auch eure Körpergröße mit ein. Denn wenn sich ein Stativ nur auf 1.60m ausfahren lässt und ihr seid zwei Meter groß, geht das ziemlich schnell auf den Rücken. Achtet also auch auf solche Punkte, wenn ihr in ein Stativ investiert. Meine Empfehlung ist es, lieber etwas mehr Geld auszugeben, als irgend einen günstigen Plastikbomber zu kaufen. Ihr zahlt definitiv immer zweimal, wenn ihr günstig kauft!

Neutrale Dichte (ND) Filter

Um Langzeitbelichtungen zu erstellen braucht ihr auch einen bestimmten Filter. Denn mit diesem könnt ihr die Belichtungszeit, auch bei Tageslicht, verlängern. Der Filter lässt dabei sehr wenig Licht hindurch, so dass ihr ohne eine überbelichtete Aufnahme zu erhalten. Das gleiche Prinzip findet ihr auch bei einer Schweißerbrille. Schaut am Besten, dass ihr einen ND Filter mit einem Verlängerungsfaktor von x1000 erwerbt. Dieser kann dann bis zu 10 Blendenstufen die Aufnahmezeit verlängern.

Wer mehr zum Thema Langzeitbelichtung erfahren möchte, der kann sich auch gerne den Artikel Langzeitbelichtung mit einem ND Filter auf Naturbilder-Magazin.de nachlesen. Dort findet ihr alles ausführlich beschrieben zu dem Thema ND Filter.

Es gibt aber auch einen Trick, wie ihr auch ohne ND Filter einen Langzeitbelichtungs-Effekt hin bekommen könnt. Ihr müsst dabei nur eine Serienaufnahme erstellen und dieses dann miteinander verrechnen lassen. Wie das Ganze funktioniert erfahrt ihr in meinem Blockbeitrag Langzeitbelichtung ohne ND Filter.

Fernauslöser zum fotografieren

Ein Fernauslöser ist gerade bei Langzeitbelichtung Aufnahmen essenziell. Denn nur so wird die Möglichkeit minimiert, dass ihr beim manuellen auslösen der Kamera diese zum wackeln bringt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Kamera auszulösen:

  • infrarot Auslöser
  • kabelgebundener Auslöser
  • Kamera intere Auslöseverzögerung
  • App

Einen kabelgebunden Auslöser ist für mich immer noch die erste Wahl. Dieser ist robust und funktioniert immer. Die App würde ich auch empfehlen, doch gerade bei älteren Modellen ohne Bluetooth Verbindung ist die Einrichtung doch immer noch etwas fummelig. Gerade bei einer Canon 70D ist die Verbindung zu dem Smartphone bzw. zu der App doch recht Fehleranfällig. Sonst würde ich klar die App empfehlen, denn dort gibt es auch viele Features die einfach Klasse sind. So müsst ihr die Kamera für das Einstellen und fotografieren, gar nicht mehr anfassen.

Der Infrarot Auslöser funktioniert nur, wenn ihr euch vor die Kamera hinstellt. Das mag vielleicht in Kombination mit der internen Auslöseverzögerung funktionieren, aber dies ist nicht wirklich empfehlenswert. Gerade dann, wenn ihr im Wasser seid, ist die Verletzungsgefahr bei einem ständigen hin und her doch zu groß. Die interen Auslöseverzögerung würde ich euch auch nur dann empfehlen, wenn ihr wirklich gar nichts dabei habt. Diese ist immer noch besser als direkt manuell auszulösen und somit eine verwackelte Aufnahme zu riskieren.

 Langzeitbelichtungsaufnahme von dem oberen Wasserfall im Wieslauftal. Aufgenommen im Herbst.
Wieslauftal Wasserfall Langzeitbelichtungs – Aufnahme im Herbst

Welche Speicherkarte ist die richtige?

Bei Langzeitbelichtungs-Aufnahmen kommt es nicht wirklich auf die Schreibgeschwindigkeit der Speicherkarte an. Es ist etwas anderes, wenn ihr Serienaufnahmen erstellt und ihr so schnell wie möglich den internen Buffer der Kamera wieder frei bekommen müsst. Da ist eine schnelle Speicherkarte von Vorteil, um die Daten schnell genug auf die Karte schreibt und speichert. Natürlich hängen da auch noch andere Faktoren von dem Ganzen ab. Aber trotzdem ist es nicht falsch eine schnelle Speicherkarte zu verwenden. Wichtig ist auch, dass euer Kammersystem diese Karte auch verwenden kann. Schaut daher erst einmal in eure Anleitung der Kamera, was für Speichermedien akzeptiert werden.

Was ich euch allgemein Empfehlen kann, ist eine Speichergröße von mindestens 64 Gigabyte. Damit könnt ihr auch mit einer 30+ MegaPixel Kamera genügend Aufnahmen speichern. Natürlich kann sich dies im Laufe der Zeit auch wieder ändern und 128 Gigabyte oder mehr ist dann die Referenz. Daher müsst ihr immer selber schauen, was ihr für eure Aufnahmen und Kamera so braucht. Der Technologische Fortschritt schreitet immer weiter voran.

Eines der wichtigsten Utensilien – ein Tuch

Ja, es mag sich jetzt etwas komisch anhören, aber ein Tuch zum abwischen der Kamera ist gerade bei Wasseraufnahmen recht wichtig. Wenn ihr bei Wasserfällen fotografiert seid ihr, je nachdem wie weit dieser entfernt ist, mit Spritzwasser konfrontiert. Dieses kann sich sich dann auf die Linse oder Filter deutlich bemerkbar machen oder sich auf eurer Kamera absetzen.

Daher ist so ein Tuch recht nützlich, denn Spritzwasserflecken auf der Linse tut der Linse nicht gut und hinterlässt hässliche Flecken auf der Aufnahme. Ein Mikrofasertuch ist recht praktisch, doch würde ich euch doch zu einem Baumwollfaser Tuch tendieren, welches doch Nachhaltiger und frei von Kunststoff ist.

Für den korrekten Weißabgleich eine Graukarte

Bei einer Langzeitbelichtung kann es dazu kommen, dass sich die Farben ins rötlichen verschrieben. Das heißt die Aufnahme kann einen Farbstich bekommen. Dies tritt dann auf, wenn ihr einen ND Filter verwendet, der nicht eine hohe Güte besitzt. Es ist zwar möglich dies später per Weißabgleich wieder zu korrigieren, doch ob die Farben dann wirklich so stimmen bleibt dann eher ein Ratespiel. Es gibt dafür neutrale Graukarten, mit denen ihr dann später den exakten Weißabgleich einstellen könnt. Dafür müsst ihr nur eine Aufnahme ohne ND Filter erstellen und die Graukarte mit ins Bild halten. Später könnt ihr dann die Aufnahme als Referenz für den Weißabgleich verwenden und diesen dann auf die anderen Bilder übertragen.

Eine Graukarte kostet um die 10€ und ist doch ein recht nützliches Werkzeug um einen korrekten Weißabgleich zu erstellen. So vermeidet ihr einfach einen hässlichen Farbstich und habt für später ein solides Fundament. Später könnt ihr dann immer noch am Rechner, euren eigenen Bildlook kreieren.

Sonstige nützliche Austrüstung

Wenn ihr im Wasser fotografiert solltet ihr auf Wasserfeste und Wasserdichte Schuhe nicht verzichten. Am Besten ist es wenn ihr Gummistiefel verwendet, die innen gefüttert sind. Denn im Herbst ist das Wasser eh recht kalt und ihr kühlt an den Füßen schneller aus. Ein paar Socken zum wechseln ist auch nicht falsch diese dabei zu haben. Denn schnell ist es passiert, dass ihr einen falschen Schritt macht und im Wasser landet. Gerade in der kalten Jahreszeit ist es wichtig, schnell aus den nassen Sachen zu kommen um so nicht zu unterkühlen. Sonst liegt ihr ein, zwei Wochen flach und könnt nicht raus zum fotografieren.

Kamera und Objektiv Wahl

Mit was für eine Kamera ihr fotografiert ist im Prinzip egal. Hauptsache es ist keine Lochkamera oder aus dem Kaugummiautomaten. Jede Moderne Kamera macht solide Aufnahmen mit denen jeder etwas anfangen kann. In Zeiten von Social Media könnt benötigt ihr auch keine Pixelmonster mit 30 oder 50 Megapixel. Denn wenn ihr eure Bilder eh nur für zum Beispiel Instagram nutzt, reicht auch völlig eine drei Megapixel Auflösung aus. Versteht es nicht falsch, natürlich ist es schon sinnvoll mit einer höheren Auflösung zu fotografieren. So erhaltet ihr mehr Details in der Aufnahme. Aber ihr solltet aber auch wissen, dass die Aufnahme bei Instagram komprimiert und auf eine Auflösung von maximal 1000px x 1000px herunter skaliert wird.

20 / 21 Megapixel reichen eigentlich völlig aus um trotzdem gute Aufnahmen zu erhalten. Das beste Beispiel dafür sind die Smartphone Kameras mit denen ihr heutzutage auch gute Aufnahmen hin bekommt. Diese sehen dann auch auf eurem Smartphone gut aus, keine Frage. Aber wenn ihr die Aufnahme mal auf einem UHD Monitor anschaut, merkt ihr auch das Problem an der Sache.

Die Wahl des Objektiv

Das was noch wichtiger ist als nur eine gute Kamera mit einer hohen Auflösung ist, dass ihr ein qualitativ hochwertiges Objektiv verwendet. Denn ihr müsst das wie mit euren Augen immer sehen. Habt ihr schlechte Augen, seht ihr schlecht. Alles ist unklar und verschwommen. So verhält es sich auch mit Objektiven. Nur wenn die Lichtstrahlen sauber gebündelt und das Licht auf den Sensor eurer Kamera geleitet wird, so erhaltet ihr auch eine gute Aufnahme.

Gute, professionelle Objektive kosten viel Geld, dies sollte jedem klar sein. Aber so eine Investition tätigt ihr nur einmal und wer billig kauft, kauft auch hier zweimal. Gerade wenn ihr draußen seid, sollte das Gehäuse des Objektiv zumindest Spritzwassergeschützt sein. Dies findet ihr aber auch nur bei den hochpreisigen Objektiven. Natürlich ist es kein muss und ihr könnt auch mit den günstigeren Linsen gute Aufnahmen machen. Doch für die die noch zum Beispiel mit Kit Objektiven fotografieren, lohnt sich so ein Upgrade definitiv.

Güstersteiner Wasserfall Langzeitbelichtungsaufnahme im Herbst
Güstersteiner Wasserfall Langzeitbelichtungsaufnahme im Herbst

Für das fotografieren eines Wasserfall oder einer Wasserstufen könnt ihr entweder ein Weitwinkel- oder sogar ein Teleobjektiv nehmen. Je nach Standort wo ihr fotografiert, könnt ihr zwischen den einzelnen Objektiven wählen. Ihr solltet aber eins bedenken, wenn ihr mit Filter eine Langzeitbelichtung machen wollt, braucht ihr gegebenenfalls für beide Objektive jeweils einen eigenen Filter.

Bei meinen Aufnahmen verwende ich aktuell ein 10-20mm Objektiv von Sigma (unbezahlte Werbung) mit dem ich immer recht gute Aufnahmen erstellen konnte. Natürlich spielt auch die Sensorgröße eine Rolle, was für ein Weitwinkel mit welcher Brennweite ihr verwenden sollt. Aber auf das möchte ich hier nicht eingehen. Schaut einfach, dass ihr zwischen 24mm (KB) und 28mm (KB) Brennweite eure Aufnahmen erstellt. Denn kommt ihr auch nicht die Gefahr, dass ihr eine Unschärfe in den Rändern erhaltet.

Zeit los zu legen

Das Beste ist was ihr machen könnt, ist einen schönen Ort zu suchen, dort hinzufahren und fotografieren. Denn nur durch stetige Übung werdet ihr nur besser. Wenn ihr mit Filter fotografiert, so solltet ihr immer manuell fokussieren. Natürlich sollte das erst einmal ohne Filter geschehen, denn mit einem ND 1000x Filter werden ihr erst einmal gar nichts mehr groß zu sehen bekommen. Wenn euer Objektiv über einen Bildstabilisator verfügen sollte, schaltet diesen aus. Dieser mindert nur die Bildqualität und ist zudem unnötig, wenn die Kamera auf einem Stativ montiert ist.

Wichtig ist auch, dass ihr auch auf die Natur achtet und nicht wahllos in ein Gebiet hinein rennt. Auch solltet ihr darauf achten, dass eure Stativ nicht eingeölt ist (an den Stativfüßen), wenn ihr dies in das Wasser stellt. Jetzt muss das Wetter noch stimmen und hoffen, dass der Herbst wieder einmal so wird, wie er einmal war. Gutes Licht, viel Spaß beim fotografieren und schöne Bilder!