Fotografieren im Herbst – der Nebel

Veröffentlicht von Reiner Ugele am 21.11.2019

Gegenlichtaufnahme im Nebel

Der Herbst gehört zu den Jahreszeiten, der eine große Vielzahl an Motiven bietet. Wer gerne draußen in der Natur fotografiert, kommt garantiert auf seine Kosten. Besonders der Nebel, den ich zu meinen Favoriten unter den Motiven im Herbst zähle, kann sehr faszinierend sein. Wer jetzt denkt, dass Aufnahmen im Nebel nichts werden, der täuscht sich.

In diesem Blog Beitrag möchte ich euch kompakt erklären, worauf ihr alles bei Aufnahmen im Nebel achten müsst, um faszinierende und einzigartige Aufnahmen zu erstellen.

Die Vorbereitung um im Nebel zu fotografieren

Wer im Nebel fotografiert sollte immer wissen, dass es bei dichtem Nebel eine (bis zu) 100 prozentige Luftfeuchtigkeit vorherrschen kann. Allgemein ist Feuchtigkeit für eure Ausrüstung nicht gut. Diese kann zu Schäden an der Elektronik (Kamera oder Objektiv) führen oder lässt diese schneller altern (z.B. durch Korrosion). Daher ist ein sehr wichtiger Ausrüstungsgegenstand, den ihr immer mitführen solltet, ein Mikrofasertuch. Mit diesen lässt sich die Feuchtigkeit von der Kamera und den Objektiven schnell wieder entfernen. Dadurch verhindert ihr schon mal, dass Feuchtigkeit in eure Ausrüstung eindringen kann.

Ein wasserdichter Rucksack oder eine selbige Kameratasche solltet ihr ebenso mit zum fotografieren nehmen. Darin solltet ihr auch immer die Kamera nach dem Fotografieren hinein lege, wenn ihr diese gerade nicht verwendet. Ein offenes herumtragen mitten im Nebel, würde genau zu der oben genannten Problematik führen, dass Feuchtigkeit in eure Ausrüstung eindringen könnte.

Am Besten informiert ihr euch vorher, in wie weit eure Kamera oder eure Objektive abgedichtet sind. Wenn diese mindestens Spritzwasser geschützt sein sollten, so ist die Problematik mit der Feuchtigkeit nicht so gravierend. Trotzdem solltet ihr immer darauf achten, eure Ausrüstung stets trocken und sauber zu halten.

Zu einer guten Vorbereitung gehört auch dazu, dass der Akku eurer Kamera stets voll geladen habt. Zudem empfehle ich euch, dass ihr einen (voll geladenen) Ersatz-Akku mit auf eure Touren nehmt. Denn im Herbst bzw. im Nebel ist es oftmals kalt und dies wirkt sich negativ auf die Akku-Leistung aus.

Welches Objektive eigenen sich für Nebelfotos?

Gleich um vorab zu sagen, es gibt kein Objektiv, dass speziell geeignet ist, um den Nebel zu fotografieren. Denn es gibt doch unterschiedliche Motive, die ihr mit dem Nebel fotografieren könnt. Dazu komme ich aber noch später. Wenn ich unterwegs bin um Nebel zu fotografieren, verwende ich immer ein Weitwinkelobjektiv, wie auch ein Teleobjektiv. Mit diesen zwei Objektiven lässt es sich, für mich, im Nebel recht gut arbeiten.

Das Teleobjektiv kommt dann zur Anwendung, wenn bestimmte Bildausschnitte freistellt werden. Das Ganze lässt sich besser vorstellen, wenn ihr das nachfolgende Bild betrachtet. Dort habe ich eine am Hang stehende Baumgruppe fotografiert. Diese waren etwas weiter entfernt und mit dem Teleobjektiv konnte ich dann genau diesen Bereich freistellen.

Bäume die durch die Nebeldecke zu sehen sind
Nebelinsel mit Bäumen aufgenommen mit einem Teleobjektiv -Stuttgart Rotenberg

Mit einem Weitwinkel würde dies nicht so funktionieren und die Details würden auch nie so zum Vorschein kommen. Gerade dann, wenn ihr offene Landschaften fotografiert, könnt ihr einmal verschiedene Brennweiten einmal ausprobieren. So seht ihr selber, wie sich die Objektive, mit ihren unterschiedlichen Brennweiten zueinander verhalten.

Wenn ihr aber nun im Wald fotografiert, so kann ich euch den Einsatz von Teleobjektiven nur bedingt empfehlen. Bei Nebel ist die Sicht nicht wirklich weit und durch die dicht stehenden Bäume wird dieses auch nicht besser. Zudem ist der Bildausschnitt doch recht klein und ihr kommt nicht wirklich auf ein zufriedenstellendes Ergebnis.

alte Eiche in einem nebeligen Wald im Herbst
Eine alte Eiche im herbstlichen Wald mit Nebel – Kappelberg Ebene Fellbach

Natürlich sieht das anders aus, wenn ihr jetzt Tiere fotografieren möchtet. Für Eichhörnchen, Rot- oder Damwild usw. braucht ihr natürlich eine lange Brennweite. Daher lohnt es sich immer, wenn ihr trotzdem neben den Weitwinkel ein Teleobjektiv mit auf eure Tour nehmt.

Wer jetzt nicht soviel Ausrüstung mit sich herumtragen möchte, der kann auch ein Zoom Objektiv verwenden. Doch solltet ihr euch doch bewusst sein, dass gerade im Telebereich Abstriche gemacht werden müssen. Wer nur Landschaften fotografieren möchte, im Wald oder auf offener Fläche, der ist mit einem Zoom Objektiv gut bedient.

Was bei Aufnahmen im dichten Nebel zu beachten ist

Wenn ihr im dichten Nebel fotografiert, werdet ihr sicherlich feststellen, dass ihr eine sehr geringe Sichtweite habt. Zudem kommt hinzu, dass die Lichtverhältnisse deutlich schlechter sind, als wenn ihr normal fotografiert. Ihr könnt eure Blende ohne Probleme öffnen, je nachdem wie Lichtstark euer Objektiv ist. Denn es sollte euch bewusst sei, dass es bei dichten Nebel keine wirkliche Tiefenschärfe vorhanden ist.

Wer nun kein lichtstarkes Objektiv besitzt oder aus qualitativen Gründen abblenden möchte, dem empfehle ich die Verwendung eines Statives. Denn nur so könnt ihr auch bei schlechten Lichtverhältnissen, eine gute Aufnahme erzielen. Vergesst aber nicht einen Fernauslöser über Kabel oder Smartphone zu verwenden. Jeder „Wackler“ kann die Qualität der Aufnahme vermindern, gerade dann wenn es sich um längere Belichtungszeiten handelt.

Die Erhöhung des ISO Wertes kann ich bei dichten Nebel nur sehr bedingt empfehlen. Mehr als ISO 200 bis max. 400 würde ich definitiv nicht einstellen. Der Grund dafür ist, dass der Nebel an sich schon über ein natürliches Rauschen verfügt. Dies kommt doch die ganzen feines Wassertöpfen, aus dem bekanntlich der Nebel besteht. Daher wäre würde die Erhöhung der ISO das Rauschen der Aufnahmen weiter verstärken. Wenn die Lichtverhältnis zu schlecht sind, dann sollte die Kamera auf ein Stativ montiert werden.

Bei dichten Nebel kann es sein, dass der Autofokus nicht immer scharf stellen kann. Das merkt ihr dann, wenn er anfängt zu „pumpen“ also versuchst scharf zu stellen. Wenn dies der Fall sein sollte, so sollte ihr auch hier wieder die Kamera auf ein Stativ montieren und manuell scharf stellen.

Nebelsterne und Inversionswetterlage

Nebelsterne sind wirklich sehr schöne stimmungsvolle Naturerscheinungen, die jeder einmal fotografieren sollte. Diese erscheinen dann, wenn sich der dichte Nebel gegen Mittag auflöst. Das Licht der Sonne bricht dann durch die Reste des Nebels und durch das Geäst der Bäume. Dies Lichtbrechungen erzeugen dann die sogenannten Nebelsterne. Ein gängiger Begriff für diese Naturereignis, der auch bei den Suchmaschinen zu Treffer führt, findet man unter Gegenlicht und Nebel.

Nebelstern im Herbstwald
Nebelstern im Herbstwald – Kappelberg verbrannte Linde

Bei Nebelsternen müsst ihr darauf achten, dass ihr die Blende schließt und kürzer Belichtet. Denn die Lichtsituation ist wiederum eine ganz andere, als wenn ihr im dichten Nebel fotografiert! Zudem verstärkt eine geschlossene Blende ein wenig den Effekt der Strahlen. Diese kommen dann auf der Aufnahme etwas deutlicher zum Vorschein. Bei diesen Motiven solltet ihr immer ein Weitwinkel Objektiv verwenden.

Inversionswetterlage

Eine Inversionswetterlage tritt dann auf, wenn kalte Luft sich im Tal befindet und über dieser eine warme Schicht liegt. Dies bedeutet, dass oben schönster Sonnenschein mit blauem Himmel vorfindet und unterhalb sich der graue, dichte Nebel befindet. Diese Wetterlage tritt öfters im Spätherbst auf, aber auch im Winter kann dies vorkommen. Gerade an den Orten an denen es viel Wasser gibt, wie an Flüsse und Bäche, kann dies besonders häufiger auftreten.

Inversionswetterlage Nebel im Tal
Inversionswetterlage Nebel im Tal – Stuttgart Rotenberg

Sicherlich hat jeder von euch schon einmal so eine Aufnahme gesehen, wo nur noch Objekte oder Bergkuppen aus dem Nebel hervorschauen. Diese Wetterlage eignet sich auch sehr gut, um Timelapse (Zeitintervall) Aufnahmen zu erstellen. Erst dann sieht man die ganze Dynamik mit der sich der Nebel bewegt. Aber auch einzelne Bereiche lassen sich sehr gut freistellen.

Stuttgart Rotenberg – Timelapse Aufnahme bei einer Inversionswetterlage mit Nebel im Tal.

Bei dieser Form der Nebel Fotografie eignen sich Tele- wie auch für Weitwinkelobjektive. Da ihr über dem Nebel fotografiert, solltet ihr doch eher abblenden und eine kürze Belichtungszeit wählen, als wenn ihr im Nebel fotografiert. Im Prinzip so, als wenn ihr bei Sonnenschein eine Landschaft fotografiert. Nur müsst ihr auch auf die korrekte Belichtung achten, da der Nebel das Licht zusätzlich reflektiert. Dies kann schnell zu seiner Fehlinterpretation des Belichtungsmesser führen und somit zu einer Überbelichtung.

Allgemeine Tipps zum fotografieren im Nebel

Zum Abschluss dieses Post möchte ich euch noch ein paar Tipps mitgeben, die ich in den vergangen Jahren gesammelt habe. Wer eine zweite Kamera besitzt sollte diese auch mitnehmen (inkl. zweiten Objektiv). Gerade für diejenigen die eine Timelapse erstellen möchtet. Denn so habt ihr noch die Chance nebenher noch andere Aufnahmen zu erstellen. Denn sonst müsst ihr einfach tatenlos neben eurer Kamera stehen. Oftmals gibt es noch ganz viele andere Motive, die nicht im Blickwinkel eurer Hauptkamera sich befindet. Ein Smartphone geht natürlich auch, auch wenn die Qualität doch etwas bescheidender sein sollte. Denn es ist immer besser überhaupt ein Foto zu machen als gar keins.

Wer im Nebel fotografiert, der kann sich nicht wirklich auf den Belichtungsmesser der Kamera verlassen. Die Automatik Modi stellen geben oftmals falsche Werte an und die Aufnahme ist entweder Über- oder Unterbelichtet. Daher empfehle ich euch, dass ihr den manuellen Modus verwendet. Zudem hilft oftmals, dass ihr eine Testaufnahme erstellt, um so zu sehen, wie das Bild geworden ist. Es kann auch sehr Hilfreich sein, wenn ihr zusätzlich euch das Histogram einblenden lasst. So lässt sich dann besser beurteilen ob ihr länger oder kürzen belichten müsst.

Waldweg im dichten Nebel
Waldweg im dichten Nebel

Das Speicherformat sollte definitiv das RAW Format sein. Denn gerade bei Nebel und den komplexeren Lichtsituationen kann dies später mittels RAW Converter noch korrigiert werden. Tiefen und Lichter lassen sich dann im Nachhinein besser steuern bzw. korrigieren.

In meiner Galerie findet ihr noch weitere Bilder, die ich im Nebel fotografiert habe. Viel Spaß bei euren Aufnahmen!